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Parlamentarische Monarchie in Westeuropa an der Nordsee, nordwestlicher Nachbar Deutschlands, 41 864 km², 16,3 Mio. Einwohner, Hauptstadt Amsterdam, Regierungssitz Den Haag, Amtssprache Niederländisch.
Land und Leute
Die Niederlande sind ein Küstenflachland, das z. T. unter dem Meeresspiegel liegt, mit dem Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde; nur im Süden Hügel- und in der Provinz Limburg Mittelgebirgsland. Die hoch eingedeichte Küste ist buchtenreich mit vorgelagerten Inseln und wird durch umfangreiche Landgewinnungsarbeiten weiter vorgeschoben (z. B. Trockenlegung der Zuidersee). Friesen, Flamen und zahlreiche Zuwanderer aus den ehemaligen Kolonien (v. a. Indonesier) sowie aus EU-Staaten bilden die dichte Bevölkerung, die zu je einem Drittel katholischen und protestantischen Glaubensgemeinschaften angehört. Ihr Bildungsstand ist hoch, die schulische und gesundheitliche Versorgung lückenlos.
Wirtschaft
Die Niederlande sind auf dem Agrarsektor eines der höchstentwickelten Länder der Welt mit Feld- und Weidewirtschaft, Obst- und Blumenplantagen, Gewächshauskulturen (v. a. Gemüseproduktion). Doch auch die Industrie genügt modernsten Ansprüchen: v. a. Textilien, Fahrzeuge, elektronische und elektrische Geräte, Nahrungs- und Genussmittel, petrochemische Produkte, Pharmaka.
Geschichte
Im 15. Jh. begann die Loslösung der niederländischen Provinzen vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, obwohl sie Erblande der Habsburger waren. Im 16. Jh. übernahm der spanische Zweig der Dynastie die Herrschaft, sodass der religiöse Konflikt mit dem protestantischen Bevölkerungsteil programmiert war. Es kam zum Achtzigjährigen Krieg, der mit der Unabhängigkeit der 7 protestantischen Nordprovinzen als Republik der Vereinigten Niederlande 1648 endete. Trotz wiederkehrender Kriege gegen England (Rivalität zur See) und Frankreich (territoriale Ansprüche) konnte sich der junge Staat behaupten und sich zu einer führenden Handelsmacht entwickeln. Während der napoleonischen Zeit französisch besetzt (1795–1815), wurden die Niederlande danach unter Anschluss des katholischen Südteils neu gebildet, der sich aber 1830 als eigenes Königreich Belgien wieder aus dem Verband löste. Im 1. Weltkrieg noch neutral, wurden die Niederlande 1940 im 2. Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzt; Königin und Regierung flohen nach England. Nach schweren Leiden in der Besatzungszeit – u. a. Deportation und Ermordung von 106 000 jüdischen Bürgern – kam 1945 die Befreiung und in ihrer Folge der Zerfall des niederländischen Kolonialreichs. Der Verlust der Rohstoffbasen wurde jedoch kompensiert durch den engen wirtschaftlichen Verbund der Benelux-Staaten und der späteren EU. Auch sicherheits- und außenpolitisch lehnte sich Den Haag an den Westen an (1949 NATO-Mitgliedschaft). Innenpolitisch war der Kurs aller Koalitionen vom Bemühen um Liberalisierung geprägt. Allerdings löste die Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh im Jahr 2004 Anschläge auf Moscheen, aber auch auf Kirchen, sowie Diskussionen über die Eingliederung von Ausländern aus. Bei den Wahlen 2006 konnten populistische Parteien vom rechten wie vom linken Rand des politischen Spektrums große Gewinne verzeichnen.